Angelo Kelly im Backstage, München am 12.04.26

Am 12. April 2026 spielte Angelo Kelly im Backstage München.

Wer Folklore à la The Kelly Family erwartet hatte, wurde überrascht. Vorbei die Zeit, als der Jüngste der großen Musikerfamilie mit seinem eigenen Nachwuchs und Frau durch die Lande tingelte.

Ungewohnt rockig ging es auch gleich mit „Are You Alive“ los, und das eher ältere Publikum stieg sofort textsicher ein. Ein Blick durch das leider nur zu knapp zwei Dritteln gefüllte Werk ließ vermuten, dass viele Fans der Kelly Family aus den 80er- und 90er-Jahren gekommen waren – gemeinsam mit Angelo nicht nur älter, sondern auch reifer geworden. Und genau so präsentiert sich auch das aktuelle Album: gereift, kantiger, selbstbewusster. Angelo Kelly ist mit inzwischen fast 45 Jahren nicht nur erwachsen geworden, sondern auch musikalisch einen deutlichen Schritt weitergegangen.

Diese Entwicklung war an diesem Abend in jeder Minute spürbar. „Ready To Rock“ ist dabei nicht nur der Name der Tour, sondern Programm: kraftvolle Gitarren, treibende Rhythmen und eine Bühnenpräsenz, die wenig mit der früheren Folk-Idylle gemein hat. Kelly fegte wie ein Derwisch über die Bühne, suchte immer wieder den direkten Kontakt zum Publikum und ließ keinen Zweifel daran, wie sehr er in dieser neuen musikalischen Rolle aufgeht.

Dabei lohnt sich ein Blick zurück: Bereits ab etwa 1993 entdeckte er zunehmend seine Leidenschaft für das Schlagzeug. Mit nur 14 Jahren wurde er sogar Meisterschüler des panamaischen Jazz-Schlagzeugers Billy Cobham – ein prägender Einfluss, der seine Neugier auf Jazz weckte und seinen musikalischen Horizont nachhaltig erweiterte. Bis heute sieht sich Kelly selbst eher als Schlagzeuger denn als Gitarrist.

In München blieb er jedoch überwiegend an der Gitarre. Nur bei zwei Songs unterstützte er seinen Drummer kurz – ohne selbst komplett ans Schlagzeug zu wechseln, sondern eher spielerisch, fast nebenbei. Gerade diese kleinen Momente wirkten authentisch und gaben einen Einblick in seine musikalischen Wurzeln.

Auch inhaltlich wurde deutlich, was Angelo Kelly antreibt: Sein christlicher Glaube ist ein zentrales Element seiner Musik. Songs wie „Christ Be With Me“ machten das besonders eindrucksvoll spürbar – nicht aufgesetzt, sondern ehrlich und persönlich.

Die Setlist des Abends konnte sich sehen lassen:
„Are You Alive“, „Alone“, „Because It’s Love“, „Christ Be With Me“, „Changed“, das besonders hervorstechende „Oh Hana“ – eine wirklich tolle Komposition –, „Family Tree“, „Never Too Late“ und viele weitere Songs rundeten den Abend ab.

Auch wenn die Halle nicht vollständig gefüllt war, tat das der Atmosphäre keinen Abbruch. Zwischen rockiger Energie, nachdenklichen Momenten und spürbarer Überzeugung entstand ein Konzert, das vor allem eines zeigte: Angelo Kelly ist längst seinen eigenen Weg gegangen – und dieser ist heute deutlich rauer, reifer und persönlicher als je zuvor.

Vielen Dank an das Backstage-Team und unsere Photographing Kirstin.

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